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Claudia Adam

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© 2020 BY CLAUDIA ADAM. SOULFUL SEEKERS.

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Was gibt uns Halt? Auf der Suche nach Stabilität

Was gibt uns Halt im Leben? Ich habe bisher auf persönlicher Ebene vor allem externe Faktoren damit verbunden: z.B. ein unbefristeter Arbeitsvertrag, etwas Geld auf der hohen Kante, vorsorgen, ein gemütliches Zuhause, stabile Beziehungen. 


Ich bin ein Mensch mit einem hohem Sicherheitsbedürfnis – ich mag Struktur, brauche immer einen Plan, tendiere dazu, vorausdenken, zu viel zu denken. Das sorgt auch dafür,  dass ich wenig spontan bin, dir heute schon sagen kann, was ich am übernächsten Samstag machen will. Entsprechend brauche ich immer wieder eine gewisse Zeit, um mich an Veränderungen oder neue Situationen zu gewöhnen, sei es nach einem Umzug, während eines Roadtrips im Urlaub oder auch nach einem Wochenende bei der Familie. 


Vor diesem Hintergrund war es ein riesengroßes Wagnis für mich, den bewussten Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen, ein Schritt, der mich seit Jahren viel beschäftigt hat. Denn schließlich geht damit einher, die vermeintliche Absicherung einer Festanstellung zu verlassen und selbst in die Verantwortung zu gehen für mein Einkommen, jegliche Absicherung, die (Alters-)Vorsorge. Lange Zeit habe ich diesen Schritt abgetan, weil ich mein Sicherheitsbedürfnis für zu groß gehalten habe, bin davon ausgegangen, dass diese Form zu arbeiten mich nur unzufrieden machen kann, weil die Sorgen über die Unsicherheit immer überwiegen wird. 


Also muss ich in meinem Vollzeit-Bürojob bleiben, denn dann bin ich abgesichert. Logisch. 

Gleichzeitig habe ich seit meiner Yogalehrer-Ausbildung den unbändigen Drang gespürt, als Yogalehrerin zu arbeiten und meine Yoga-Gedanken in Worte zu fassen. Als Yogalehrerin konnte ich die natürliche Daseinsweise meines Wesens frei ausleben. Doch als Yogalehrerin müsste ich freischaffend arbeiten, das bekannte Sicherheitsnetz verlassen. Die Ausweglosigkeit dieser Konstellation hat mich immer unzufriedener werden lassen, unzufrieden mit meiner beruflichen Situation, unzufrieden mit mir selbst. Hat mich auch immer mehr an mir selbst zweifeln lassen. Ich wusste: Der Bürojob wird mich langfristig nicht erfüllen, aber ich kann ihn nicht verlassen. Ich möchte mich als Yogalehrerin verwirklichen, aber die Hürde ist zu groß. Monatelang habe ich resigniert, die Situation und mich selbst verflucht. Habe für eine Zeit lang die Zuversicht verloren, denn ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte. Ich war unglücklich mit der Situation, wusste aber keinen Ausweg. 


Was, wenn all die dochs und abers nicht wären?


Das Meer ist das Meer


Während einer Bootsfahrt vor ein paar Wochen habe ich das Meer beobachtet. Plötzlich kam mir der Gedanke, dass sich das Meer keine Sorgen darum macht, was morgen ist und ob es dafür gewappnet ist. Das Meer ist einfach das Meer, in seiner natürlichen Wesensform, scheinbar voller Überzeugung und mit jeder Faser – mit jedem Tropfen. Das Meer weiß, was es ist und versucht nicht, etwas anderes zu sein. Das bedeutet aber nicht, dass es nur eine Form hat – da sind kleine Wasserspritzer, schäumende Wellen, kilometertiefes, dunkles, stilles Wasser – und das alles setzt sich zu einem Meer zusammen. Es bedeutet auch nicht, dass das Meer nicht auf äußere Einflüsse reagiert. Die Wellen tosen im Sturm, zerteilen sich in einzelne Tropfen, wenn das Boot durch das Wasser gleitet und finden dann wieder in ihre Form zurück. Das Meer bleibt scheinbar permanent in Bewegung, im Fluss, in permanenter Veränderung, um das Meer zu bleiben. Es ist nachgiebig und schafft es dennoch, Felsen auszuhöhlen und Stein zu formen. Das Meer ist das Meer, ohne sich zu sorgen, ob es das sein kann, was es ist. Voller Zuversicht. 


Wenn ich nur ein bisschen so sein könnte wie das Meer, dachte ich, einfach darauf vertrauen könnte, dass das, was ich sein möchte, das, was ich bin, der richtige Weg für mich ist. Wenn ich fest davon überzeugt sein könnte und all die dochs und abers hinter mir lassen könnte!



Mit Yoga innere Stabilität finden


Wir üben im Yoga körperliche Stabilität durch die Verbindung mit dem Boden unter uns, je nach Haltung die bewusste Erdung z.B. der Füße, des Beckens oder des Kopfes. In der körperlichen Praxis richten wir die Asanas von unten nach oben aus, wir schaffen durch die Aktivierung der Füße, der Beine, des Beckenbodens eine stabile Basis, die es uns ermöglicht, im Oberkörper, in den Armen, im Kopf Freiheit, Leichtigkeit zu erfahren. Wir üben eine präzise Ausrichtung im Körper, die Stabilität und Halt spendet. 


Darüber hinaus kann über die Beobachtung des Atems, der Bewegung im Einklang mit dem Atem die Unruhe im Inneren zur Ruhe kommen. Wenn wir also immer wieder zum Atem zurückfinden, erfahren, dass wir dabei innerlich zur Ruhe kommen, gibt uns das eine ganz andere – eine innere – Stabilität.


Im Yoga üben wir eine innere Stabilität. Yoga lehrt uns, in uns selbst zu vertrauen – darin, dass wir unseren Weg schon gehen und für alles gerüstet sein werden, was kommt. 

Wir erfahren, dass ganz egal, was passiert (in der Yogapraxis wissen wir auch nicht, welche Asana als nächstes kommt), wir über den Atem und die Konzentration eine innere Stabilität finden können. Die Stärke finden können, weiterzumachen. Die Erfahrung zeigt uns, dass wir die Yogaklasse schon irgendwie durchstehen werden, wenn wir nur weiter atmen. 


Ich glaube, das ist die größte Stabilität, die wir finden können. 

Denn: einen Job oder Auftrag kann man immer verlieren. Es können im Leben Dinge passieren, die man nicht vorhergesehen hat und für die man deshalb auch nicht vorsorgen kann. Dann ist die innere Haltung, die innere Stärke entscheidend, denn es kann sein, dass sie alles ist, was uns in diesem Moment bleibt – aber eben auch: alles, was wir brauchen. Es wird schon weitergehen.


Wenn wir uns in innerer Stabilität üben, dann kann auch eine Person mit hohem Sicherheitsbedürfnis einen großen Schritt ins Ungewisse wagen. In Eigenverantwortung eine Konstellation schaffen, die auch in der Selbstständigkeit genug Stabilität und Sicherheit gibt. Voller Überzeugung und voller Zuversicht das tun, was sich ganz natürlich und richtig und stark anfühlt. Denn wir sind so viel mehr als unsere Sorgen und Ängste. Wir haben viele Facetten. In meinem Fall eben nicht nur ein hohes Sicherheitsbedürfnis, sondern u.a. auch Empfindsamkeit, Sensibilität, Emotionalität, der Drang sich selbst zu verwirklichen und mit meiner Arbeit etwas sinnstiftendes zu tun.


Wenn ich mich in innerem Halt übe, dann kann ich ein bisschen mehr wie das Meer sein.

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